Als die Dame, die an diesem Nachmittag an der Grabenstraße etwas aus ihrem Fahrzeug lädt, das große Einsatzfahrzeug der Feuerwehr sieht, stutzt sie kurz. Dann offenbar dämmert es hier: Ihr Auto steht im Weg, das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (kurz HLF 20) der Telgter Wehr kommt nicht um die Ecke. Die Frau steigt ein und fährt ihr Auto zur Seite.

Ein paar Meter weiter ein ähnliches Problem. Auch hier hat ein Verkehrsteilnehmer sein Auto nicht vorschriftsmäßig geparkt. Wieder wird es eng, doch dieses Mal ist kein Fahrer weit und breit in Sicht. Dieter Leuer am Steuer des Einsatzfahrzeugs hat nur wenige Zentimeter, um zwischen Hauswand und Mercedes hindurchzukommen. Plötzlich wird es doch zu eng, Leuer muss noch einmal zurücksetzen. Im Ernstfall würden jetzt wichtige Sekunden verloren gehen. Sekunden, die für die Brandbekämpfung und das Retten von Leben entscheidend sein können.

"Das ist ein echtes Problem für uns", bringt es Wehrführer Alfons Huesmann auf den Punkt. Zumal Falschparker in der Telgter Altstadt keine Ausnahme, sondern die absolute Regel seien. "Das sieht man jeden Tag", sagt Huesmann. Besonders abends, wenn alle Parkbuchten im Umkreis besetzt seien, würden viele ihr Auto einfach am Straßenrand abstellen.

Und auch an diesem Nachmittag muss die Feuerwehr nicht lange suchen. Auf wenigen hundert Metern findet sich gleich ein halbes Dutzend Fahrzeuge, die entweder gar nicht in den dafür vorgesehenen Buchten parken, oder aufgrund schludrigen Parkens darüber hinausragen.

Im Ernstfall kann das Konsequenzen haben – für die Feuerwehr, etwaige Opfer und den Fahrzeugführer. "Wir versuchen natürlich stets, nichts zu beschädigen, aber immer klappt das nicht", sagt Dieter Leuer. Zudem drohe noch ein anderes Szenario. "Was ist, wenn wir es bei einem Einsatz nicht rechtzeitig zum Ort des Geschehens schaffen?", fragt Alfons Huesmann und gibt die Antwort gleich selbst: "Wir werden uns dafür rechtfertigen müssen und jemand, der den Einsatz behindert, sicher auch." Ganz zu schweigen "von der moralischen Pflicht", so der Wehrführer, der allerdings zumindest ein gewisses Maß an Verständnis zeigt. "Mancher kommt sicher abends gestresst und kaputt von der Arbeit", sagt Huesmann. Da sei es eben menschlich, dass man direkt vor dem Haus und nicht etwas weiter entfernt parken wolle. Falsch und gefährlich bleibe diese Vorgehensweise – gerade in der Altstadt – aber dennoch.

"Wir haben genug öffentlichen Parkraum", will Huesmann erst gar keine Ausreden aufkommen lassen – sie begegnen ihm trotzdem immer wieder. Bei vielen habe falsch Parken System. Einige stünden einfach konsequent jeden Tag falsch. Weitere Parkbuchten, wie vereinzelt gefordert, seien da keine Lösung. "Dafür gibt es einfach keinen Platz mehr", sagt Huesmann. Schon allein die Bebauung in der Altstadt, inklusive Laternen, Blumenkübeln und anderer Hindernisse, mache die Straße für die Feuerwehr eng, allerdings noch passierbar. Ein Auto an der falschen Stelle lasse das 370 000 Euro teure und mit Spiegeln rund 2,75 Meter breite Einsatzfahrzeug nicht mehr rangierbar machen. "Und dabei ist in dem Fahrzeug von 2013 schon alles technisch ausgereizt. Mit dem von 1985 brauchen wir das gar nicht zu versuchen", glaubt Huesmann.

Auch schmalere Fahrzeuge, wie sie in Münster zum Einsatz kämen, seien nicht unbedingt eine gute Lösung. "Die haben andere Nachteile, sind durch den hohen Schwerpunkt im normalen Verkehr zum Beispiel viel gefährlicher. Außerdem muss man mit weniger Beladung auskommen", erklärt Dieter Leuer.

Bislang hatte die Feuerwehr in Telgte noch keinen Einsatz, wo sie letztendlich nicht zum Einsatzort gekommen ist. Beschädigungen und auch das Wegrollen von falsch geparkten Autos und ein damit einhergehender Zeitverlust seien jedoch durchaus schon vorgekommen. Huesmann appelliert daher an die Anwohner der Altstadt, ordnungsgemäß zu parken. Zum Wohle aller – und wenn das nicht ausreicht mit noch einem weiteren Argument: "Es kann ja auch mal so sein, dass der Falschparker selber auf die Feuerwehr angewiesen ist."

 

Text und Foto: WN