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Offener Brief an den Rat der Stadt Telgte
In einem offenen Brief an die Ratsmitglieder schildert Gunnar Schlecht, Mannschaftssprecher des Löschzuges Stadt, die Stimmung innerhalb der Mannschaft, speziell nach dem letzten Vorschlag der FDP.
Herzlichen Glückwunsch FDP!
Offener Brief des Mannschaftssprechers des Löschzuges Stadt, der Freiwilligen Feuerwehr Telgte, an den Rat der Stadt Telgte.
Mit ziemlicher Bestürzung und Verwunderung habe ich, wie viele der aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, den Artikel über den Standpunkt der FDP, zum Standort des Neubaus eines Feuerwehrgerätehauses aufgenommen. Nach etlichen ausführlichen Gesprächen mit den Kameraden, kam ich zu der Überzeugung, dass den Bürgern dieser Stadt, die Reaktion, die dieser Artikel in unseren Reihen ausgelöst hat nicht vorenthalten werden darf.
Der Tenor all dieser Gespräche war, das ein Großteil der Feuerwehrkameraden nur einen Fußbreit vor dem Austritt steht. War der Melder vor wenigen Wochen noch gelb, so ist er jetzt gelb-rot, und es ist zu befürchten dass hier eine Welle in Gang gesetzt wird, die nicht mehr aufzuhalten ist.
Die meisten der Kameraden fragten sich wie die FDP, noch vor der Bekantgabe der Ergebnisse der Untersuchung der Standorte Alverskirchener Straße und Bruens, bereits ein Urteil fällen kann. Noch verwunderlicher wird dies, da auch die FDP in der letzten Ratssitzung für diese Untersuchung gestimmt hatte, und alle Parteien sich dafür aussprachen, dass nur diese Standorte erneut überprüft werden, und alle weiteren aufgrund einer Nichteignung auszuschließen sind. Auf einmal wird nun wieder die Wiese hinter dem Autohaus Dartmann in den Topf geworfen, und dies mit längst widerlegten Argumenten begründet. Wofür hat dieStadt also Geld für eine erneute Überprüfung der Grundstücke Alverskirchener Straße und Bruens in die Hand genommen, wen die Ergebnisse nicht abgewartet werden und bereits im Vorfeld Parteien ihr Urteil fällen? Noch dazu ohne sich scheinbar wirklich mit Fakten und Begebenheiten zu beschäftigen.
So fällt es auf, dass gerade die FDP die einzige Fraktion des Stadtrates ist, die trotz Einladung nie zu einer Besichtigung des Gerätehauses erschienen ist und das Gespräch mit der Feuerwehr gesucht hat. Bei den „intensiven“ Recherchen dieser Partei unterblieb also bis heute die Einbeziehung der fachlichen Sicht durch die Feuerwehr, um die es hier immerhin geht.
Hätte man sich die Mühe gemacht und mit uns gesprochen, wäre auch der FDP aufgefallen das z.B. das Argument der Sonderquerung der Bahnlinie ein Potjomkinsches Dorf ist. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Deutsche Bahn einem Solchen zustimmen würde, gäbe es keinen Kameraden der Feuerwehr, der sich bereit erklären würde diesen auf dem Weg zum Gerätehaus zu benutzen! Auch das Ausrücken über eine solche Querung mit den Einsatzfahrzeugen wäre alleine aus Sicht der Unfallversicherer wohl kaum zulässig.
Die Kameraden sind aus diesem Grunde extrem verärgert, da hier offensichtlich mit ihrem Leben gespielt wird, wenn sie unbeschrankte Bahnübergänge benutzen sollen. Auch zeigt hier erneut eine Partei, die von uns bei der Übergabe des gelben Melders gerügte Entschluss- und Planlosigkeit. Es ist nicht mehr nachvollziehbar wie ein bereits 1990, im Feuerwehrkonzept des damaligen Stadtdirektor Rammes, festgestellter Bedarf für die Errichtung eines neuen Gerätehauses nun wieder in die Ferne rückt.
Auch die FDP war in diesen 20 Jahren Teil des Stadtrates und trägt hier Verantwortung. Wie bereits oben erwähnt ist es mittlerweile 5 vor 12, und ein Großteil der Kameraden sieht keinen Sinn mehr darin, sich für eine Sache zu engagieren, die scheinbar nicht mehr durch das Bürgertum der Stadt und deren Vertreter getragen wird.
Um dem mündigem Telgter Bürger zu verdeutlichen was für eine Auswirkung ein solches Ereignis auch für jeden einzelnen hätte, werde ich dies hier erläutern.
Selbst bei einem Austritt nur eines Teils der Angehörigen des Löschzuges Stadt, währe der Brandschutz im Stadtbereich nicht mehr aufrecht zu erhalten. Die Verwaltung währe also gezwungen zur Widerherstellung der Sicherheit der Bürger die Freiwillige Feuerwehr aufzulösen, und nach §14 FSHG NRW eine Pflichtfeuerwehr einzurichten. In Folge dessen kann jeder Bürger im Alter zwischen 18 und 60 Jahren in dieser zwangsverpflichtet werden! Neben den ehemaligen Mitgliedern der Freiwilligen Wehr, werden also auch Bürger zwangsweise ihren Weg in die Feuerwehr finden, die bis heute nichts mit dieser zu tun hatten. Da zum Dienst verpflichtete im Gegensatz zu den Freiwilligen für die aufgebrachte Zeit im Dienste der Allgemeinheit entschädigt werden müssen, erfolgt ab diesem Zeitpunkt eine Vergütung jedweder Aktivität bei der Feuerwehr. Neben durchschnittlich 170 bis 220 Einsätzen im Jahr, sowie hunderten von Stunden für die Aus- und Weiterbildung, würden auch sämtliche Aufwendungen für die organisatorische Planung und den Vorbeugenden Brandschutz in diese Summe einfließen! Deren Gesamtzahl ist kaum abschätzbar, da zum jetzigen Zeitpunkt nur Einsatz- und Ausbildungszeiten erfasst werden. Es dürfte aber außer Frage stehen, dass bereits diese Aufwendungen den Haushalt der Gemeinde Telgte sprengen werden.
Als beiläufiger Nebeneffekt einer Pflichtfeuerwehr, würde die Aufsichtsbehörde, in Form der Bezirksregierung aktiv werden. Ab diesem Augenblick würde die Pflichtaufgabe Feuerwehr durch diese delegiert. Aufgrund des Zustandes der Gerätehäuser, des teilweise veralteten Fuhrparks und weiterer Ausrüstungsmängel durch Sparmaßnahmen der letzten Jahre, müsst die Aufsichtsbehörde hier zwangsweise Investitionen in Millionenhöhe anordnen. Der Rat hätte keinerlei Mitspracherecht mehr. Es würde in Bezug auf den Neubau eines Gerätehauses des Löschzuges Stadt, sowohl Ort, Zeitpunkt und Umfang durch die Bezirksregierung angeordnet. Da der Standort Alverskirchener Straße durch diese bereits unterstützt worden ist, kann sich hier also jeder sein eigenes Bild von einer diesbezüglichen Entscheidung machen. Diese Investitionen würden den Haushalt endgültig zum kippen und die Stadt in ein Haushaltssicherungsverfahren bringen. Der Rat würde also auch in Bezug auf die Stadtfinanzen sein Mitspracherecht verlieren, und müsste alle Ausgaben auf die Pflichtaufgaben der Gemeinde
beschränken. Dies bedeutet dass alle freiwilligen Leistungen der Gemeinde, wie z.B. Schwimmbäder und Bibliotheken, geschlossen werden müssen, da sie schlichtweg nicht mehr bezahlbar sind. Es würde also zu einem radikalen Verlust der Lebensqualität für alle Telgter Bürger kommen.
Über den Gesichtverlust, den dieser fast einmalige Vorgang in Deutschland für diese Stadt hätte, und die wirtschaftlichen Folgen möchte ich hier gar nicht erst sprechen. Es ist wohl kaum anzunehmen das Unternehmen in einen Ort investieren, der keinen zuverlässigen Brandschutz gewährleisten kann.
Für meinen Teil hoffe ich dass dieser Fall nicht eintrifft. Sowohl als Bürger dieser Stadt, wie auch als aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Leider verlässt mich und ein Großteil der Kameraden aber die Hoffnung, dass dieses Szenario noch abgewendet werden kann, wenn die örtliche Politik die Zeichen der Zeit nicht erkennen will oder kann.
Es bleibt zu hoffen, sollte der Fall der Fälle eintreten, dass der Bürger sich bei den Kommunalwahlen 2014 erinnert welchen Parteien er dieses Schlamassel zu verdanken hat. Und diesen den Platz in der Gemeindegestaltung zuweist der ihnen gebührt. Nämlich abseits des Stadtrates!
Lassen Sie, liebes Ratsmitglied, es nicht soweit kommen!
Gunnar Schlecht Mannschaftssprecher des Löschzuges Stadt der Freiwilligen Feuerwehr Telgte