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Immer wenn es piept ...
Es ist drei Uhr nachts, alle im Hause Schlecht schlafen tief und fest. Dann plötzlich: ein durchdringendes Piepen. Für die Telgter Corinna und Gunnar Schlecht muss es jetzt ganz schnell gehen: Die Eheleute sind bei der Freiwilligen Feuerwehr und müssen zum Einsatz.
"Dass beide Ehepartner bei der Feuerwehr sind, kommt öfter vor", sagt Heinz-Jürgen Gottmann, der als Warendorfer Kreisbrandmeister auch für die Schlechts zuständig ist. "Einige Paare lernen sich ja auch über die Feuerwehr kennen", weiß Gottmann zu berichten. Überhaupt sei ein Engagement bei der Feuerwehr häufig eine Familienangelegenheit: "Wenn der Vater dabei ist, dann kommt der Sohn fast schon automatisch", sagt er. Für die Tochter - das muss auch Heinz-Jürgen Gottmann zugeben - gilt das nur bedingt: Von den mehr als 2000 Feuerwehrkameraden im Kreis Warendorf sind nur 94 Frauen.
Für Corinna Schlecht ist ihr Hobby dennoch nichts Besonderes. "Ich war allerdings noch nie eine typische Frau", sagt die Telgterin, die früher gerne an Autos herumgeschraubt hat. Grundsätzlich gibt es bei den Freiwilligen Feuerwehren immer noch viele Menschen aus technischen Berufen. Hier bildet Corinna Schlecht wieder eine Ausnahme: Sie ist Sachbearbeiterin bei einem örtlichen Textilunternehmen. "Inzwischen bin ich dort auch Brandschutzbeauftragte", fügt sie schmunzelnd hinzu.
Über ihren Mann kam sie erstmals mit der Materie in Berührung. "Ich habe mir das erstmal ein Jahr lang angeschaut, was die da so machen", erzählt sie. Erst dann habe sie einen Grundlehrgang gemacht, der für jeden Feuerwehrmann Pflicht ist. Wenn dieser absolviert ist, erhalten die neuen Kameraden ihren Pieper. "Da ist man dann schon ein bisschen stolz", sagt Corinna Schlecht.
Beim ersten Piepen des Gerätes sieht das dann allerdings etwas anders aus. "Da hatte ich ganz schönes Herzflattern", erinnert sich die Mutter einer Tochter. Zumal ihr erster Einsatz nicht unbedingt einfach war: "Das war ein Verkehrsunfall. Da musste ich schon ein wenig schlucken", erzählt die Telgterin. Doch das gehöre nun einmal dazu.
Großen Respekt hat Corinna Schlecht vor allem vor Einsätzen entlang der Bahnstrecke zwischen Münster und Warendorf, die zum Einsatzgebiet ihrer Wehr gehört. "Und alle Einsätze, die mit Kindern zu tun haben, sind problematisch", ergänzt sie. Alleingelassen wird aber keiner mit seinen Ängsten. "Es gibt bei uns Notfallseelsorger, mit denen man über besonders belastende Einsätze reden kann." Darüber hinaus bilden auch die Kameraden einen großen Rückhalt, finden sowohl Corinna als auch Gunnar Schlecht. "Wir sind eine große Gemeinschaft. Jeder hilft dem Anderen."
Der Respekt vor Einsätzen, bei denen Kindern betroffen sind, erklärt sich für Corinna und Gunnar Schlecht aus der eigenen familiären Situation: Seit einem Jahr sind sie selbst Eltern. Auch hier zeigt sich der Familiensinn der Feuerwehr: Töchterchen Charlotte wurde von den Kameraden quasi adoptiert. Ein Strampler mit der Aufschrift "Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrfrau" und eine dazu passende Quietscheente nennt sie bereits ihr Eigen.
Wegen Charlotte den Helm an den Nagel zu hängen, kam für beide nicht in Frage. "Tagsüber gehe ich nicht mehr in den Einsatz", gibt Corinna Schlecht zu, dass sie dennoch kürzer tritt. Im Falle eines Einsatzes am Abend springt aber die Oma gerne zum Aufpassen ein. Töchterchen Charlotte lässt das schließlich kalt. "Die bekommt das gar nicht mit, wenn wir raus müssen", berichtet Corinna Schlecht lächelnd vom tiefen Schlaf ihrer Tochter. "Das rumpelt ein wenig, und dann sind wir schon aus dem Haus." Und das so schnell wie möglich, wenn der Pieper auslöst.