Der Vorplatz des neuen Feuerwehr-Gerätehauses in Westbevern ist voll mit Handwerkerfahrzeugen. An gefühlt allen Ecken und Enden wird gearbeitet, denn eigentlich ist das Projekt in der finalen Phase.

Eigentlich, denn genau das Thema Brandschutz sorgt dafür, dass der ursprünglich geplante Einweihungstermin Ende Februar verschoben werden muss. Und auch wenn sich keiner der Handwerker dazu öffentlich äußern will, hinter vorgehaltener Hand macht „typisch Deutschland und Bürokratie“ die Runde.

Denn der Grund für die Verzögerung sind die Brandschutztüren in der Halle. „Die werden aufgrund einer komplizierten, aber leider notwendigen Zustimmung im Einzelfall nicht rechtzeitig geliefert werden“, erläutert Baubereichsleiter Stefan Klein-Ridder.

„Das Ganze ist von außen betrachtet schwer nachvollziehbar, für unsere Fachplaner und uns auch unerwartet, aber am Ende nicht zu ändern.“
Stefan Klein-Ridder

Das Ganze ist sehr kompliziert und lässt sich vereinfacht auf folgenden Nenner bringen: Im Detail geht es um die Verwendung einer T-30-Brandschutztür in einer F-30-Holztafelbauwand. Beide Bauprodukte haben zwar eine gültige Zulassung, in der Kombination aber nicht, so Klein-Ridder. „Von außen betrachtet schwer nachvollziehbar, für unsere Fachplaner und uns auch unerwartet, aber am Ende nicht zu ändern“, sagt er.

Eine gute Nachricht betrifft allerdings die Kosten: „Das Projekt ist natürlich noch nicht schlussgerechnet, aber wir gehen stark davon aus, dass wir im Kostenrahmen bleiben“, sagt der Verwaltungsmann. Zur Erinnerung: Mit 4,5 Millionen Euro war das Projekt veranschlagt.

Wie berichtet, ist das neue Gerätehaus in seiner Art ziemlich einzigartig, denn es ist in Holzrahmen-Bauweise erstellt worden. Dirk Betz von „Schnoklake Betz Dömer Architekten“ hat ein wenig recherchiert. Demnach sei das nächste Gebäude dieser Art erst in Tübingen zu finden.

Energetisches Gesamtkonzept

Entstanden ist ein Gebäude mit Schulungs- und Aufenthaltsräumen, einer Werkstatt und Umkleiden. Hinzu kommt eine Fahrzeughalle mit Waschhalle. Fünf Fahrzeuge finden dort Platz, die aktuelle Wache bietet nur Raum für drei Fahrzeuge. Abgerundet wird das Gesamtkonzept – das neueste Erkenntnisse aus dem Bereich der Planungen von Gerätehäusern berücksichtigt – durch energetische Maßnahmen: Eine Wärmepumpe, eine entsprechende Wärmerückgewinnung und solare Unterstützung beim Heizen gehören dazu.

Dieser Aspekt wird nach Angaben der Planer ergänzt durch eine hybride Konstruktionsweise, bei der statisch und brandschutztechnisch notwendige Wände und Stützen massiv sind, Außenwände und Fassade aber in Holzbauweise als CO₂-Speicher dienen. Ein begrüntes Dach und eine Holzfassade aus geflammter Douglasie sind weitere Aspekte.

Ein Hingucker soll vor allem die Fahrzeughalle sein, sobald das Gebäude bezogen ist. Diese ist als Schaufenster konzipiert und wird feuerwehr-rot gestrichen, um klar auf den Verwendungszweck hinzuweisen.

Dass die neue Wache nur einen Steinwurf von der alten entfernt entstanden ist, hat einen Hintergrund: Eine Standortuntersuchung im Jahr 2015 hatte den bestehenden Standort beziehungsweise sein direktes Umfeld als optimal für die Erreichbarkeit durch die Freiwillige Feuerwehr ermittelt. Das Areal war zuvor eine landwirtschaftlich genutzte Fläche.

 

Text und Bilder: wn.de