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„Ein echter Heiermann“
Ein echtes Stück Telgter Stadtgeschichte wurde gestern geborgen und der Öffentlichkeit erstmals seit fast 50 Jahren präsentiert. Die beiden Zeitkapseln, 1976 in den Erweiterungsbau der Feuerwache an der Ritterstraße eingelassen, wurden nun vor dem Abriss des Gebäudes „gerettet“. Sie sollen im Warendorfer Kreisarchiv ein neues Zuhause finden.
Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr hatten den Weg in die Ritterstraße 46 gefunden, zudem wollten sich Vertreter der Verwaltung, der Volksbank und aus dem Kreisarchiv die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Am Standort der alten Feuerwache in Telgte klickten am gestrigen Mittwoch die Handykameras – und zumindest zeitweise machte sich echte Goldgräberstimmung breit, als sie schließlich geborgen wurden – die beiden kupfernen Kapseln, die am 6. März 1976, also vor fast fünf Jahrzehnten, dort hinterlegt worden waren.
Und nun geborgen wurden, ehe das Gebäude, das sich mittlerweile im Besitz der Volksbank befindet, zeitnah abgerissen wird. Was bald Vergangenheit sein wird und im wahrsten Sinne zu Staub zerfallen dürfte, lebte in der Ritterstraße noch einmal auf. „Wir sehen hier noch einmal die Geschichte der Kameraden“, wies Heiko Dreesen, Archivar der Telgter Feuerwehr, auf die beiden eigentlich unscheinbaren Kupferröhren hin, die über fast 50 Jahre ein schattiges und vor allem trockenes Dasein hinter einer massiven Betonplatte gefristet hatten.
Schließlich, nachdem die beiden Zeitzeugen nur wenig Widerstand geleistet hatten gegen das scharfkantige Sägeblatt der Telgter Feuerwehr, gaben sie vor den staunenden Zeugen ihren Inhalt preis. Und der war durchaus bemerkenswert. Neben Lokalzeitungen vom 8. März 1976 fanden sich zwei Beurkundungen aus der Zeit sowie ein Satz Geldmünzen wieder, als der Inhalt den Anwesenden präsentiert wurde. „Ein echter Heiermann. Wie leicht der ist“, staunte Feuerwehr-Zugführer Nicolas Kreienbäumer, während Bürgermeister Wolfgang Pieper einen Blick auf die lokalen Druckerzeugnisse aus der Zeit seiner Vorgänger warf. Von einer Jahreshauptversammlung der DLRG Ostbevern war dort die Rede, ebenso von den Titelchancen der TV-Handballer. „Zudem sind in den beiden Urkunden Namen zu finden von Telgter Bürgern, die die Stadtgeschichte mitgeprägt haben. Das ist schon ein sehr spannender Moment“, so Pieper.
Interessant in diesem Zusammenhang: Bereits im Jahr1885 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr in Telgte, seit 1898 hatte sie ihren Standort an der Ritterstraße. 1960 erhielt das derzeitige Feuerwehrgerätehaus sein heutiges Aussehen, 1976 wurde der Erweiterungsbau zusammen mit den beiden Zeitkapseln eingeweiht. 2015 siedelte die Feuerwehr schließlich an die Alverskirchener Straße um, während an der Ritterstraße weitere Fahrzeuge stationiert wurden. „Diese Ära geht nun zu Ende“, sagte Carsten Einhoff, stellvertretender Leiter der Telgter Feuerwehr.
Wie das Areal nun künftig genutzt werden soll, darüber wollte Michael Schoene von der Volksbank noch keine Auskunft geben. Immerhin versprach Frank Schirrmacher aus dem Kreisarchiv jedoch, die beiden kupfernen Schätze und deren Inhalt sorgsam verwahren zu wollen. „Die Funde werden sorgsam archiviert und so gelagert, dass sie auch in einer Ewigkeit noch für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Wir wollen sie weiterhin nutzbar machen“, so Schirrmacher. So können Telgter Bürger auch im Jahr 2225 noch nachvollziehen, wie ein Heiermann von 1976 aussah, und wie viel er damals wog.